Tech Due Diligence - Unsere 6 Tipps für junge Gründerteams
  • 09. September 2019
  • 5 min read
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Als Start Up sollte man sich gewissenhaft auf eine Tech Due Diligence vorbereiten. Hier ein Einblick in unsere Erfahrungen als Berater und Begleiter von Start Ups.

Unser Team von Railslove arbeitet seit über 10 Jahren mit Startups. Diese oftmals wilden Abenteuer sind genau das, was uns als Team antreibt und ausmacht: Wir lieben es strategische Partner zu sein und ein gutes Gründer-Team durch alle Höhen und Tiefen zu begleiten. Unser Auftrag hört dann nämlich nicht bei Design oder Entwicklung auf und wir können ausspielen, was uns von anderen Teams unterscheidet: Wir übernehmen die volle Verantwortung für die Produkte und Unternehmen, die wir mit vorantreiben. Lange Zeit waren wir dabei im Spannungsfeld zwischen Startups und VCs auf Seiten der Gründer unterwegs, unterstützen die jungen Unternehmen bei ihrem Wachstum und wurden so im Rahmen von Investitionsrunden als Team selbstverständlich auch Due-Diligence-Prüfungen unterzogen. Der Anspruch an richtig gute Software-Entwicklung in den Prüfungen gefiel uns, so dass wir fortan begannen auch mit VCs zu arbeiten, um ihnen durch unsere Mithilfe in Tech DDs anstehende Investments abzusichern.

Tech DD as a Service

Seit einiger Zeit arbeiten wir daher u.a. mit dem High-Tech Gründerfonds (HTGF) als externes Gutachter-Team zusammen und beleuchten im Doppel mit den Analysten der VCs Technik, Team und Prozesse aktueller Deal-Kandidaten. Unsere tägliche Arbeit als Entwicklungsteam im Startup-Umfeld ist dafür der beste Hintergrund: Wir sprechen die Sprache der Gründer und Entwickler, wissen um Aufwände und Risiken in einer Roadmap und Kalkulation, erkennen die Anzeichen für zukünftige Team-Probleme und wir können z.B. in Architektur-Fragen nicht nur bewerten, sondern gleich beraten – und so endet ein Tech DD mit uns nicht selten in einem Mentoring mit den Gründern, statt schlicht und distanziert nur “die Sache” zu beurteilen.

Lessons Learned

Wir haben in den Tech DDs zahlreiche spannende Dinge gelernt, die wir durchgeführt haben. Hier sind sechs Dinge, die jedes Startup in dieser wichtigen Phase beachten sollte:

1. Agile Denkweise vs. Scrum/Kanban/Whatever

Wenn man Teams fragt, ob sie agil arbeiten, sagen prinzipiell alle “Ja na klar, wir machen X” und sie meinen damit in vielen Fällen ein Vorgehensmodell wie Scrum eines ist. Doch fängt da agile Softwareentwicklung überhaupt erst an: Werden überhaupt agile Produktentscheidungen getroffen? Wie werden User in die Produktentwicklung eingebunden und werden schon früh Ideen und Entwürfe validiert? In welcher Reihenfolge wird ein großes Produkt ausgerollt und wie sehen die Zwischenschritte auf dem Weg bis zum Ziel aus? Wenn man es über lange Zeit trotz Scrum-Prozess nicht schafft viele kleine, inkrementelle Produkte zu shippen, dann arbeitet man nicht agil.

2. Wann hat ein Prototyp ausgedient?

Einige unserer erfolgreichsten Startup-Kunden der Vergangenheit kamen mit wilden, selbst zusammengesteckten Produkten auf CMS-Basis zu uns, die zwar halb auseinanderfielen und einen irren manuellen Aufwand für die Gründer bedeuteten, aber eines ganz sicher bewiesen haben: Das Produkt funktioniert und der Umsatz läuft. Wir sind große Fans dieses Ansatzes, schnell mit einfachen Mitteln Produkte auszuprobieren, Kunden einsammeln, lernen, skalieren. Gründer dürfen dann nur nicht den richtigen Zeitpunkt verpassen, an dem der Prototyp weggeworfen werden sollte und das Produkt technisch neu aufgezogen gehört. Skaliert man auf einer wackeligen Basis, so fängt alles nur noch mehr an zu wackeln bis es schließlich auseinanderfällt.

3. Skalieren heißt auch loslassen

In vielen guten Gründer-Teams findet sich bereits solide Tech-Kompetenz. Der CTO ist dann häufig für die ersten Code-Zeilen verantwortlich und baut in frühen Phasen das Produkt im Alleingang. Um dann allerdings mit frischem Geld Fahrt aufnehmen zu können und als Unternehmen zu wachsen, muss man als Tech-Gründer auch loslassen können, neue Entwickler einstellen, ausbilden und sein Produkt und die Code-Verantwortung auch in fremde Hände geben. Gründer, die zu sehr an ihrem Produkt klammern, haben viel größere Schwierigkeiten zu wachsen.

4. Wenn man das Gefühl hat fertig zu sein, ist man bei 80%

Fragt man Gründer-Teams “… und wie weit seid ihr gerade auf dem Weg bis zum Launch?”, dann hört man alles, aber nichts davon stimmt. Das liegt schlicht daran, dass niemand Aufwand und Fortschritt von IT-Projekten exakt richtig einschätzen kann. Die Kunst ist also eine Ahnung davon zu haben, wie sehr man mit seiner Schätzung daneben liegt bzw. wie sehr man ihr Vertrauen kann. Dazu eine einfache Grundregel: Wenn man sich eine Roadmap aufstellt und deren Aufwand bis zum Ende durchschätzt, dann entspricht das nicht 100% des anstehenden Aufwandes, sondern maximal 80%. Denn man muss sich einfach im Klaren darüber sein, was es bedeutet ein neues Produkt zu launchen: Das Finishing einer App rund um einen Launch mit all seinen Beteiligten und Prozessen, das sind Aufwände, die schnell mal unter den Tisch fallen. Wenn Euch hier die Erfahrung fehlt, sprecht mit Leuten, die schon mal Produkte auf den Markt gebracht haben.

5. Recruiting-Realität

“Wenn wir das Investment kriegen, stellen wir drei Entwickler ein…” – So etwas hören wir häufiger von Gründern. Nur gibt es tendenziell eh zu wenig gute Entwickler auf dem Markt und als Startup kann man sich zudem die richtig guten auch kaum leisten. Mit Glück findet man ambitionierte Einsteiger, die man mit auf die Reise nehmen und ausbilden kann. Aber auch hier ist die Konkurrenz zwischen den Unternehmen hart. Untermauert solche Aussagen also am besten mit bestehenden Kontakten, laufenden Gesprächen, echten Kandidaten – sonst sind sie unglaubwürdig.

6. Mehr Tech-Strategie, weniger Hype

“In unserem Projekt setzen wir X ein, weil unser Team Bock drauf hatte und das schon immer mal ausprobieren wollte..” – Ja, das kennen wir, wir sind ja schließlich auch Entwickler und möchten immer lernen und experimentieren und besser werden und Spaß haben an der Sache. Gerade in Frühphasen können derart getroffene Tech-Entscheidungen jedoch ganz schön Stress bereiten: Durch die fehlende Erfahrung mit der Technologie können Aufwände explodieren und sich die Zeit bis zum Launch völlig ohne Not verzögern. Mit jeder weniger gewöhnlichen und bekannten Technologie im eigenen Stack schafft man sich außerdem weitere Hürden beim Recruiting neuer Entwickler – was ja eh schon schwer genug ist! Daher unser Rat: Häufig fährt man mit “abgehangener”, etablierter Technologie zum Start deutlich besser. Für Experimente ist dann später noch Luft, wenn man erst einmal ein gutes Produkt am Start hat.

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