Phase 1: Work | Phase 2: ??? | Phase 3: Profit!
  • Micha
  • 28. April 2016
  • 6 min read
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Wovon profitiert eine Agentur wohl am meisten? Klar, ständig ausgebuchte Entwickler und Designer mit jeweils 8 effektiven Arbeitsstunden am Tag, die möglichst alle beim Kunden abgerechnet werden. Selbst wenn dieses Szenario realistisch wäre, darf bezweifelt werden, ob es der einzige Weg zum blühenden Unternehmen mit einer ansprechenden Kultur ist. Und zum Erfolg.

Ein Kommentar von Micha.

Michael Löhner, ein bekannter Unternehmens- und Kulturberater, beschreibt (Unternehmens-) Kultur folgendermaßen: „Kultur ist die Summe der Gewohnheiten einer Organisation." In dieser leicht vermenschlichten Definition sind wir vielleicht so etwas wie der sympathische Nachbar, der zwar ständig unterwegs und immer unter Strom ist, dir aber trotzdem gerne am Wochenende deinen neuen Grill im Garten montiert, um dort anschließend mit dir ein Bierchen zu trinken. Man hilft sich ja schließlich und „what goes around, comes around“.

Seit es uns gibt strecken wir unsere Fühler nach neuen Ideen aus und versuchen interessante Ansätze zur Unternehmenskultur aus dem Rauschen des Webs und anderen Medien sowie unserer Umwelt zu filtern. Dabei gibt es einen bemerkenswerten Spagat, der bewältigt werden will. Es gibt gefühlte tausend Variablen, die bestimmen, ob ein Arbeitsplatz attraktiv ist. Dagegen gibt es auffällig wenige Variablen, die festlegen, ob ein Unternehmen erfolgreich ist. Umsatz und Gewinn sind dabei absolut tonangebend. Ich behaupte aber, dass der Begriff „Erfolg“, wie ich ihn hier verwende, viel mehr Interpretation zulässt, als die stumpfe Reduktion auf zwei – wenn auch entscheidende – Variablen. Die schwer zu greifenden Faktoren, die bestimmen, ob ein Mitarbeiter glücklich seinem Job nachgeht und sich mit dem, was er da den lieben langen Tag tut, auch identifizieren kann, spielen eine gefährlich wichtige Rolle. Gefährlich deshalb, weil sie individuell ganz unterschiedlich sind und - wenn überhaupt - schwer anzugehen.

Erfolg, Erfolg. Was ist eigentlich Erfolg?

Erfolg muss, nein darf, nicht nur von der Buchhaltung festgemacht werden. Wenn wir uns gegenseitig neu Gelerntes beibringen und dadurch jeder Mitarbeiter persönliche Fortschritte macht; wenn wir ein Arbeitserlebnis schaffen, das Mitarbeiter und Kunden zufrieden stellt; wenn wir uns in der Community engagieren, Events veranstalten, auf denen sich gleichgesinnte treffen, Wissen austauschen und neue Ideen entwicklen – dann haben wir schon Erfolg. Und damit ist noch nicht mal der Marketingfaktor gemeint, der daraus erwächst.

Natürlich haben wir als Agentur nichts davon, wenn wir den Stellenwert eines tollen Klimas und Spaß am Beisammensein am höchsten priorisieren, nur noch singen und klatschen und dann ein halbes Jahr später auf der Straße sitzen. Aber das ist alleine aufgrund des Ehrgeizes der meisten Menschen schon ziemlich unrealistisch. So ist es auch bei uns, denn immerhin können wir was und wollen es auch zeigen.

Es sieht doch so aus: die persönliche Entwicklung genau so wie die Motivation jedes Mitarbeiters hängen deutlich mit der Unternehmenskultur und dem damit verbundenen Mindset zusammen. Der gelegentliche Blick nach rechts und links muss erlaubt sein und kann durchaus auch zu mehr Kreativität beitragen. Maßnahmen zum Teambuilding müssen auch nicht an einem Sonntagnachmittag im Hochseilgarten stattfinden, wenn niemand Lust darauf hat und sich in Gedanken schon grillend im eigenen Garten sieht (mit dem netten Nachbarn). Kurze Stand-ups, kleine Matches am Kickertisch, gemeinsame Feierabende. Alles schön und gut und – yay – dem Klischee des Startup-Spirit entsprechend. Gibt es aber keine gemeinsame professionelle Identität und fehlt eine gerechte Gesprächskultur, kocht am Ende doch nur wieder jeder sein eigenes Süppchen. Der gesunde Diskurs über den Inhalt der Arbeit in einem ungezwungenen Setting ist ein Schlüssel zu einem guten Klima.

Klingt gut. Was könnte man versuchen?

Das ist eben der Spagat, den ich angesprochen habe. Jeder, der schon mal versucht hat einen wahrhaftigen Spagat auf’s Parkett zu legen, weiß, wie schwierig, langwierig und manchmal schmerzhaft es sein kann, bis er gelingt. Oder auch nicht. Dann hat man es aber wenigstens versucht und ist schon mal etwas flexibler geworden.

Drei Formate, die zu unserem regelmäßigen Training gehören, um den Spagat zu schaffen, stellen wir euch vor:

Innovationslabor

In diesem Format darf experimentiert werden. Hier kommen Entwickler, Designer, Texter und auch die Geschäftsführung zusammen (wenn auch nicht immer alle zusammen), um gemeinsam verschiedene Projekte zu realisieren. In diesem Blogpost haben wir euch das Innovationslabor schon einmal vorgestellt. Durch den bunten Mix kommen frische Ideen auf, es wird an allen Seiten dazugelernt und das Gelernte wird direkt praktisch angewandt. Natürlich ist es schwierig nachzuvollziehen, was davon am Ende unsere Arbeit effizienter oder besser macht. Aber zur Förderung von Kreativität, Um-die-Ecke-Denken und auch für handfestes Know-How ist das Format perfekt geeignet. Außerdem entzerrt es einen straffen Arbeitsrhythmus und trägt dazu bei, dass man hier und da mal kurz was anderes tun kann, darf oder soll. Manchmal ist das Gold wert.

Prezbo

Die Prezbos sind bei uns ein fester Teil der Arbeitswoche. Unsere Entwickler und Geschäftsführer sind tief in ihrer Community verankert und reisen viel – ob zu Meetups, Konferenzen oder anderen Community-Events. Oft gibt es bei Prezbos Berichte zu dort vorgestellten Neuerungen, die dem Rest irgendwie durchgerutscht sind. Ein Andermal hat jemand zuhause ein cooles Tool gebaut, das er vorstellt und das eventuell von allen genutzt werden kann. Ein dritter Mitarbeiter, von dem irgendwie niemand weiß, was genau er so tut, stellt der Truppe seine Arbeitsbereiche und Ziele für die kommenden Monate vor. Keiner hat was Interessantes zu erzählen? Die Prezbo fällt aus.

Offsite

Wir leben natürlich nicht in einer Traumwelt, in der das alles reibungslos klappt. Je mehr man sich austauscht, desto mehr kann man wieder vergessen. Das ist leider so. Da bleiben immer wieder kleinere, aber auch mal größere Dinge liegen. Wenn viele Mitarbeiter zu der strategischen Ausrichtung der Agentur Vorschläge und Ideen haben, braucht man dafür länger, als einen Freitagabend. Offsite Meetings sind eine gute Methode, Liegengebliebenes aufzuholen und große Themen zu besprechen. Den Rechner sollte man dabei zuhause lassen, sonst arbeitet man ja doch wieder nebenher. Flipchart und Whiteboard heißen die Instrumente. Hier spricht man beispielsweise über die Marke, über das Image, das man als Unternehmen verfolgt. Über die Projekte, die man damit akquirieren möchte. Oder über internere Kommunikation, Probleme und wie man sie gemeinsam lösen möchte. Über kreative Strategien. So vieles zu besprechen! Zwei bis dreimal im Jahr abgehalten, kann dieses Format einiges zutage bringen. Allerdings fällt somit meist ein ganzer oder halber Arbeitstag ins Wasser – es muss sich also unbedingt lohnen und will gut geplant werden.

Um die Headline wieder aufzugreifen: zurück zum Profit. Der ist, wie oben beschrieben, nicht so eindimensional messbar, wie man anfangs denken mag. Wie messen wir, was bei den Formaten, die wir pflegen, hängen bleibt? Kann man diese Methodik damit vergleichen, einzelnen Mitarbeitern immer wieder Fortbildungen zu finanzieren? Zeitlicher Arbeitsausfall durch Prezbo/Offsite/Innovationslabor mal X Mitarbeiter = Investition in Weiterbildung? Das darf gerne diskutiert werden.

Wir arbeiten jedenfalls gerne an herausfordernden Projekten, kniffligen Lösungen und wenn’s sein muss bringen wir auch das schlimmste Legacy Projekt wieder in Ordnung. Und wir glauben, dass viel von diesem Know-How dem geplanten und geförderten Austausch zu verdanken ist. Davon profitieren wir als Agentur, unsere Kunden und jeder einzelne Mitarbeiter.

Es bleibt natürlich nur einer von vielen Möglichen Ansätzen. Für uns scheint er der richtige.

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A post by Micha
Pfeilschneller Texter und rasender Reporter